Eine Diskussion mit Rechten – wie verhalte ich mich?

An den gefestigten, extremen Ideologien eines Rechtsextremen lässt sich leider selten etwas ändern. Gegenargumente, so triftig sie auch sind, werden nicht angenommen, Fakten werden oft als Medienlügen angesehen. Rechtsextreme stecken meist so tief in ihren Verschwörungs-artigen Thesen, dass man mit guter Argumentation wenig machen kann. Dennoch sollte man die Chance einer Diskussion nutzen, wenn es das Umfeld und die Situation zulässt. Ziel kann zumindest sein, Gefährdete zu überzeugen, die evtl. in die rechte Szene abrutschen können, oder bereits auf dem Weg sind.

Beachtet dabei bitte folgendes:

- Besonders günstig sind Gespräche unter vier Augen
- Besonders ungünstig sind Diskussionen allein gegen eine ganze Gruppe Rechtsorientierter
- Immer einen ruhigen Tonfall bewahren
- Nicht provozieren lassen
- Nicht altklug und belehrend auftreten
- Rechtsextreme auf ihre „Parolen“ festnageln, nachhaken und keine schnellen Themensprünge zulassen („Moment mal, bleib doch mal bei dem Thema!“)

Argumente gegen rechte Stammtischparolen

1. „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!“
Stimmt nicht. Rein gesetzlich ist dies sogar ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Job wird erst an AusländerInnen vermittelt, wenn keine Deutschen dafür gefunden werden. Im Osten weist dieser Spruch eine besondere Lächerlichkeit auf, da hier lediglich 0,8 Prozent aller Erwebstätigen AusländerInnen sind.
Spitzenjobs in der Computerbranche, aber auch eine große Zahl schlecht bezahlter Tätigkeiten im sozialen Bereich könnten ohne AusländerInnen gar nicht besetzt werden. Fast zehn Prozent aller ausländischen Erwerbstätigen sind selbständig.

2. „Die Ausländer sind doch alle kriminell!“
Stimmt natürlich nicht. Kriminalität und Nationalität stehen in keinem Verhältnis zueinander, wichtige Faktoren hierbei sind viel eher Alter, Geschlecht oder die soziale Situation. In dem Zusammenhang sind AusländerInnen nicht krimineller als Deutsche. Viele der Straftaten ausländischer Mitbürger sind übrigens Verstöße gegen das Asylgesetz oder das AusländerInnengesetz – Straftaten, die Deutsche also gar nicht begehen können.

3. „Die Ausländer leben doch auf unsere Kosten!“
Falsch. Rein wirtschaftlich gesehen sind AusländerInnen ein Gewinn für Deutschland. Sie zahlen mehr Steuern und Abgaben ein, als für sie vom Staat ausgegeben wird. AsylbewerberInnen in Deutschland erhalten momentan weniger als das Arbeitslosengeld II, das für sich schon das Existenzminimum darstellt. Erwachsene müssen im Monat meist mit weniger als 50€ auskommen.

4. „Jetzt nehmen die uns auch noch die Wohnungen weg!“
Nicht wahr. Ausländer leben meist in schlechterem Wohnraum. Sie leben häufig in Gegenden, die für Deutsche nicht attraktiv sind. Migrationsfamilien wohnen überwiegend in Gebieten mit niedrigem Status, in Spekulationsobjekten, in Häusern mit schlechter Bausubstanz, in ungünstiger Lage, in dicht besiedelten Hochhaussiedlungen am Stadtrand, in unterentwickelten Wohnquartieren, etc.

5. „Deutschland den Deutschen!“
Nix da! AusländerInnen sind eine Bereicherung für unser Land. Über die Hälfte der ausländischen Wohnbevölkerung lebt schon länger als zehn Jahre im Land. Immer mehr Ausländer sind in Deutschland geboren. Niemand kann heute noch bestreiten, dass Deutschland durch die ausländischen EinwohnerInnen bunter und abwechslungsreicher geworden ist. Besonders in der Gastronomie und im Dienstleistungssektor. Aber auch die kulturelle Landschaft oder die medizinische Forschung wären ohne Ausländer arm dran.

6. „Die wollen sich doch gar nicht integrieren!“

Lüge. Die meisten AusländerInnen wollen sich sehr wohl integrieren, haben bei der Suche nach Bildung und Arbeit aber oft schlechte Chancen, was eine Eingliederung erschwert. Weiterhin bilden „heimische“ Traditionen von ausländischen MitbürgerInnen auch für Deutsche eine vielfach wertvolle kulturelle Bereicherung. Warum also sollten diese nicht auch in Deutschland gepflegt werden?

7. „Immerhin hat Hitler uns die Autobahnen gebaut!“
Bravo. Das Autobahn-Argument wird immer wieder hervorgekramt, wenn jemand krampfhaft Positives im Regime des Dritten Reichs sucht. Dass das Autobahnprojekt viel mehr eine groß angelegte Propaganda-Aktion war, und aus wirtschaftlicher Sicht allen Regeln der Vernunft widersprach, wird dabei oft vergessen. Die Arbeitslosigkeit wurde dadurch nicht wesentlich gedrosselt, finanziert wurde das Ganze aus geliehenen Finanzen aus dem Vermögen der Arbeitslosenversicherung. Also aus dem Geld der Arbeiter selbst.

Wenn ihr euch gerne noch tiefer mit den Argumenten befassen wollt, und ins Detail gehen möchtet, besucht z.B. folgende Seiten im Internet:

http://bnr.de/aktiv/argumentegegenrechts/
http://www.loester.net/fakten1.htm
http://www.bpb.de/themen/UMK5UD,0,Argumente_gegen_rechtsextreme_Vorurteile.html